Zeit in Kolumbien
Aufbau in Cartagena
| Meilensteine 1895 – 1905 | |
|---|---|
| 1895 | Ankunft in Cartagena am 2. August. Der Bischof Eugenio Biffi weist den Schwestern den hinteren Teil des ehemaligen Kloster Obra Pia in Getsemani zu. |
| 1896 | Den Schwestern wird die lokale Mädchenschule übergeben. Innert kurzer Zeit steigt die Anzahl Schülerinnen von 80 auf 280. |
| 1898 | Gründung des Collegio Biffi (benannt nach dem verstorbenen Bischof) |
| 1899 | Nach Wahlfälschungen bricht ein 1000-tägiger Bürgerkrieg zwischen Konservativen und Liberalen aus. Im Dezember müssen die Schwestern das Obra Pia für Soldaten räumen. Sie beziehen Räume im Kloster San Francisco, welches nass und salzig ist. |
| 1900 | Epidemie in Cartagena. Maria Bernarda wird sterbenskrank und sich zeitlebens nie mehr ganz davon erholen. |
| 1902 | Nach dem blutigen Bürgerkrieg können die Schwestern am 4. Mai 1903 wieder das Obra Pia beziehen. |
So schilderte eine Augenzeugin die Ankunft der Schwestern.
Im Obra Pia lebten die 15 Schwestern in völliger Armut. Sie kriegten Feldbetten, einen grossen langen Tisch und wenige alte Stühle. Sie achteten darauf, keinen Vorrat zu haben, keinen Schmuck oder eine Bequemlichkeit. Nur so viel, wie es der Lebensunterhalt verlangte.
«Seid immer allen gleich gewogen, eher mehr den ärmsten, unansehnlichen, zurückgebliebenen zugetan.»
Bald gehen gegen 1’000 Kinder im Obra Pia zur Schule. Vom Kindergarten, zur Volksschule, der Sekundarklassen bis zum Lehrerinnenseminar. Der Ruf der Qualität der Schule in der Stadt war hervorragend.
Ursprünglich waren die Stadtbehörden gegen die Lage der Schule in Getsemani, wegen dem schlechten Ruf des Quartiers. Maria Bernarda setzte sich durch, da ihr der Unterricht der Armen und Verstossenen ein besonderes Anliegen war.
Maria Bernarda gab selber keinen Unterricht, gab aber die Leitlinien des Unterrichts vor. Sie war klar gegen jeglichen Prunk und förderte das Einfache und das Praktische. So mahnte sie z.B. die Handarbeitslehrerinnen an, nicht zu kostspielige Handarbeiten anzufertigen, um den Eltern nicht unnötige Auslagen zu verursachen und die Kinder zu verwöhnen.
Die Zelte weiten sich
«O weh, es sind Weisse, sind nur für Weisse gekommen!»
Mit diesen Worten wurden die Schwestern im von Schwarzen bewohnten Pie de la Popa empfangen. Bernarda entgegnete: «Wir sind für die Armen gekommen, wir lieben die Schwarzen und die Weissen!»
| Meilensteine 1895 – 1924 | |
|---|---|
| 1895 | In Mompos wird das erste Spital übernommen. |
| 1898 | Eine Epidemie bricht in Mompos aus und Maria Bernarda bleibt zur Unterstützung ein Jahr dort. Mompos wurde ihre Lieblingsfiliale und sie besuchte sie jährlich. |
| 1905 | Im Vorort Pie de la Popa wird eine weitere Schule eröffnet. |
| 1906 | Gründung des Probehaus in Gaissau zur Anwerbung von Schwestern. |
| 1911 | Gründung der ersten Filiale in Brasilien in Obidos, Bundesstaat Para in Amazonien. Die Gründung erfolgte auch für den Fall, wenn in Kolumbien kirchenfeindliche Revolten ausbrechen würden und die Schwestern wieder fliehen müssten. |
| 1912 | In Brasilien wird bereits eine weitere Schule gegründet. |
| 1916 | Maria Bernarda erkrankt schwer. |
| 1917 | In Manganque werden ein Spital und eine Schule gegründet. |
| 1920 | Maria Bernarda tritt als Oberin am 5. September zurück. |
Madre Querida stirbt
«Heute ist in unserer Stadt eine Heilige verstorben…»
Mit diesen Worten beginnt der Stadtpfarrer von Cartagena die Messe am Morgen des 19. Mai in der Kathedrale der Stadt.
Die letzten Tage der Maria Bernarda (1924)
Maria Bernardas Gesundheit war seit der Epidemie 1900 in Cartagena nachhaltig geschwächt, aber zu Beginn des Monats Mai stellten sich grosse Leibesschmerzen ein.
| 14.5. | Maria Bernarda erhält die Krankensalbung (auch „letzte Ölung“ genannt). |
| 18.5. | Gegen 23 Uhr lässt Maria Bernarda ihre Mitschwestern nochmals versammeln und segnet sie. Pater Ephrem kommt zu ihr und betet, so dass sie den Todeskampf besser ertragen möge. |
| 19.5. | Nochmalige Lossprechung. Hinschied um 5 Uhr morgens. |
Die Todesnachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt.
Am gleichen Tag wird sie noch beerdigt.
Sr. Cornelia in einer Schilderung
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Todesnachricht in der Stadt. Im Hof und Garten des Obra Pia wimmelte es von Besuchern. Mutter Bernarda wurde in einem Zimmer neben der Kapelle aufgebahrt mit Blumen und Grünzeug. Gebettet auf weisse Blumen wollten Jung und Alte ihre „heilige Mutter“ nochmals sehen, wie sie achtungsvoll im Volk genannt wurde. Entgegen der Scheu vor Leichen küsste die Bevölkerung mit Ehrfurcht die Hände der toten Maria Bernarda.
Um 16 Uhr kommt Erzbischof Brioschi, um mit weiteren Priestern der Stadt die Totenmesse zu singen. Um 17 Uhr setzte sich der Trauerzug zum Stadtfriedhof in Bewegung. Voraus zogen 700 Mädchen in weissen Kleidern. Die Schulbehörden verhinderten, dass der Sarg auf den Leichenwagen gehoben wird, da sie ihn selber tragen wollten, so dass dieser leer hinterher rollte. Tausende Personen erwiesen der bescheidenen Ordensfrau die letzte Ehre. Die gesamte Geistlichkeit mit den Orden, Arbeiter, Eltern der Kinder, christliche Vereine, hohe und niedere Beamte der Stadt.
Der Erzbischof hielt die Ansprache auf dem Friedhof. Er nahm in bewegenden Worten Abschied und musste seine Rede immer wieder unter Tränen unterbrechen. Er vertraute die Stadt der Heiligen an. Das Volk hat Maria Bernarda jetzt schon heiliggesprochen.
Mit der im Titel zitierten Anrufung schloss einen Monat später der Erzbischof von Cartagena einen 40-seitigen Hirtenbrief im Gedenken an Madre Querida (geliebte Mutter), wie sie unter anderem in der Stadt genannt wurde.
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